Mythen und Fakten über Hörimplantaten

Wenn es um Cochlea Implantate geht sind viele Mythen im Umlauf. Auf dieser Seite finden Sie Fakten zu den häufigsten Mythen.

Cochlea-Implantate sind teuer

  • Der Krankenhausträger bzw. die Krankenkassen übernehmen sämtliche Kosten für alle Personen, die aus medizinischen Gründen ein Cochleaimplantat benötigen. Hier finden Sie weitere Informationen über die Genehmigung durch die Krankenkasse

Die Cochlea-Implantation ist eine schwere Operation

  • In manchen Ländern wird die Cochlea-Implantation sogar ambulant durchgeführt. Für die meisten Hals-, Nasen-, Ohren (HNO)-Chirurgen gilt sie als Routineeingriff. Nähere Informationen zur Implantation.

Die Cochlea-Implantation ist eine Operation am Gehirn

  • Das ist unrichtig. Der Chirurg platziert das interne Implantat unter die Haut hinter dem Ohr und führt die Elektrode in die Cochlea, den schneckenförmige Teil des Innenohres, ein. Der Chirurg kommt nicht annähernd zur Schädelhöhle, in der das Gehirn liegt. Nähere Informationen zur Implantation.

Ein Cochlea-Implantat zerstört das Restgehör

  • Ein Teil des Restgehörs kann verloren gehen, doch mit den immer besseren chirurgischen Methoden und Elektroden kommt dies seltener vor. Je weicher und flexibler die Elektrode ist, desto weniger beschädigt sie die sensiblen Strukturen des Innenohres. Heutzutage wird das Restgehör viel besser bewahrt als noch vor zehn Jahren.

Man kann ruhig warten, bis das Kind alt genug ist, um die Entscheidung für oder gegen ein Implantat selbst zu treffen

  • Das stimmt leider nicht. In den ersten Lebensjahren ist das Gehirn am lernfähigsten. Die Cochlea eines Babys ist bereits vor der Geburt voll ausgebildet und ausgewachsen. Deshalb kann man Kinder schon ab einem Alter von sechs Monaten implantieren. Wenn die Hörrinde, das Hörzentrum im Gehirn, jedoch nicht stimuliert wird, verkümmert dieser Bereich nach rund dreieinhalb Jahren und übernimmt teilweise andere Funktionen. Deshalb nimmt ab diesem Zeitpunkt die Fähigkeit eines Kindes, hören und sprechen zu lernen, ab. Um deutlich zu sprechen, muss ein Kind hören können. Wenn es sich selbst nicht hört, kann es keine klare Lautsprache entwickeln. Das heißt nicht, dass eine Cochlea-Implantation zu einem späteren Zeitpunkt keinen Nutzen mehr bringt, sondern lediglich, dass dieser Nutzen signifikant geringer ist als bei einer frühenImplantation.

    Und tatsächlich ist bewiesen, dass die meisten Kinder, die schon früh mit Cochlea-Implantaten versorgt wurden, in ihrer Hör- und Sprachentwicklung kaum Unterschiede zu normalhörenden Kindern aufweisen. [1] Studien haben gezeigt, dass Kinder mit Cochlea-Implantaten bessere Leistungen in der Schule erbringen, mit einer höheren Wahrscheinlichkeit Regelschulen besuchen und bessere Berufschancen haben als Kinder mit vergleichbarem Hörverlust ohne Implantat. [2]

    Ein weiterer Vorteil einer frühen Implantation liegt darin, dass die Sprachentwicklung fast natürlich verläuft.

Hören mit einem Cochlea-Implantat ist nicht wie normales Hören

  • Kinder, die schon früh auf beiden Ohren mit Cochlea-Implantaten versorgt werden, können durchaus Sprache ebenso gut entwickeln wie Kinder ohne Hörverlust.Erwachsene, die ein Cochlea-Implantat nach dem Erlernen von Sprache bekommen, berichten manchmal, dass Sprache am Anfang mechanisch und hoch, aber nach der Rehabilitation wieder normal klingt. Das Gehirn gewöhnt sich nämlich mit der Zeit an den neuen Klang.Es gilt auch bei Erwachsenen zu beachten, dass das Hören besser klappt, wenn der Hörverlust möglichst früh behandelt wird. [3]

Ein Cochlea-Implantat veraltet und muss oft ersetzt werden

  • Ein Cochlea-Implantat besteht aus zwei Teilen – dem internen Implantat und dem externen Audioprozessor. Das interne Implantat hält viele Jahre, mitunter ein ganzes Leben lang, während der Audioprozessor nach einigen Jahren ausgetauscht wird. Die meisten Audioprozessoren sind jedoch rückwärts kompatibel, und können mit älteren Implantaten verwendet werden.

Mit einem Cochlea-Implantat kann man nicht schwimmen gehen

  • Das interne Implantat ist hermetisch dicht und wird durch Schwimmen nicht beschädigt. Wenn Ihr Audioprozessor nicht wasserdicht ist, können Sie ihn vor dem Schwimmen einfach abnehmen. Für viele Audioprozessoren gibt es wasserdichte Accessoires, mit denen Sie schwimmen, duschen und hören können. Von Tauchgängen mit dem Audioprozessor raten wir ab, da der Wasserdruck zu groß werden kann. Fragen Sie beim Hersteller Ihres Cochlea-Implantats nach, bis zu welcher Tiefe das Tauchen für das interne Implantat unbedenklich ist.

Nutzer von Cochlea-Implantaten verstehen Sprache nur, wenn sie Lippenlesen

  • Die meisten Cochlea-Implantat-Nutzer sind nicht vom Lippenlesen abhängig, um zu verstehen. Einige, die auch schon vor der Implantation von den Lippen ablasen, machen dies in gewissen Situationen auch weiterhin. Viele Nutzer können telefonieren, hören gerne Musik und spielen sogar ein Instrument.

Ich bin zu alt für ein Cochlea-Implantat

  • Es gibt keine Altersobergrenze. Solange Sie körperlich in der Lage sind, die Operation gut zu überstehen und mit dem Audioprozessor umzugehen, spricht nichts gegen ein Implantat. Viele Nutzer haben ihr Cochlea-Implantat erst mit 80 oder 90 Jahren bekommen. Die älteste Europäerin, die mit einem Cochlea-Implantat versorgt wurde, war Mollie Smith aus England. Sie war bei ihrer Implantation 2014 bereits 99 Jahre alt.

Cochlea-Implantat-Nutzer müssen sich von drahtlosen Geräten fernhalten

  • Drahtlose Geräte stören Cochlea-Implantate nicht. Im Gegenteil, moderne Audioprozessoren verwenden eine Art drahtloser Kommunikation, um mit anderen Geräten zu kommunizieren.

Sport ist mit Cochlea-Implantaten nicht möglich

  • Es spricht nichts gegen Sport. Bei bestimmten Sportarten sollten Sie jedoch einen Helm tragen, um den Audioprozessor zu schützen (den Sie übrigens beim Sport nicht abnehmen müssen).

Mit Cochlea-Implantaten ist das Risiko einer Gesichtslähmung groß

  • Das Risiko einer vorübergehenden Gesichtslähmung ist minimal – es betrug bei einer großen britischen Untersuchung 2013 zu Implantationen bei Kindern nur 0,2%. Früher war dieses Risiko höher, da der Chirurg bei der Operation kurz einmal nahe an den Gesichtsnerv kommt. Heutzutage wird in fast allen Kliniken ein computergesteuertes Gesichtsmonitoring eingesetzt, mit dem das Risiko einer Verletzung extrem reduziert werden konnte. In der Untersuchung wurde kein einziger Fall von dauerhafter Gesichtslähmung festgestellt. Selbst das Risiko anderer schwerer Komplikationen liegt mit 1,6% auf einem sehr niedrigen Niveau.[4] Ihr Chirurg klärt Sie genau über die OP-Risiken auf.

Magnetresonanztomographien (MRT) sind mit Hörimplantaten verboten

  • Wenn Ihr Cochlea-Implantat MRT-kompatibel ist, spricht nichts gegen eine MRT-Untersuchung. Manche Implantate sind bis 1,5 Tesla MR-tauglich, andere bis 3 Tesla Feldstärke, wie in den neuesten MR-Geräten verwendet, die hochdetaillierte Bilder liefern. Wenn eine MRT-Untersuchung notwendig wird und Ihr Implantat nicht bis zur verwendeten Feldstärke kompatibel ist, kann der interne Magnet in einer Operation vor der MRT-Untersuchung entfernt und im Anschluss daran wieder eingesetzt werden.

Bei Cochlea-Implantaten stehen Drähte aus der Haut

  • Die elektrischen Signale werden vom Audioprozessor durch die intakte Haut ans interne Implantat gesendet.

Setzen Sie sich mit einem HörPaten in Verbindung

und erfahren Sie aus erster Hand mehr über das Leben mit einem Implantat.

References:

[1] Special Report No. 1: Basic Information on Hearing, MED-EL: Innsbruck

[2]Bond M, Mealing S, Anderson R, Elston J, Weiner G, Taylor RS, et al. 2009. The effectiveness and cost-effectiveness of cochlear implants for severe to profound deafness in children and adults: a systematic review and economic model. Health Technol Assess 13(44):1-330.

[3]Arlinger S, 2003. Negative consequences of uncorrected hearing loss – a review. International Journal of Audiology; 42 Suppl 2:2:17-20

[4]Broomfield, S. (April 2013) Results of the National Paediatric Bilateral Cochlear Implant Surgical Audit, University Hospitals Bristol