Die Implantation

So bereiten Sie sich auf die Operation vor

Es ist ganz normal, wenn Sie Angst vor der Operation haben. Zu wissen, was Sie erwartet, kann helfen, manche Bedenken abzubauen. Hörimplantationen gelten heutzutage als Routineeingriffe, die in den vergangenen 30 Jahren schon tausende Male weltweit durchgeführt worden sind. Und das bei sehr geringen Komplikationsraten.

Hier beantworten wir die häufigsten Fragen rund um die Operation. Ihr Implantationsteam berät Sie gerne persönlich, da jede Klinik ihr eigenes Prozedere hat.

Was muss ich vor der Operation beachten?

Die folgenden Informationen sind wichtig:
  • Informieren Sie das medizinische Personal, wenn Sie/Ihr Kind an einer Erkältung, Grippe oder anderen gesundheitlichen Problemen erkrankt sind.
  • Wenn Ihr Kind alt genug ist, um zu verstehen, dass es ins Krankenhaus kommt, sprechen Sie mit ihm über den bevorstehenden Spitalsaufenthalt. Ihr Audiologieteam kann Sie diesbezüglich beraten.
  • Erstellen Sie eine Liste der Medikamente, die Sie einnehmen. Neben rezeptpflichtigen Medikamenten sollten Sie auch rezeptfreie, pflanzliche und homöopathische Arzneien anführen. Ihr CI-Team weiß, welche Medikamente Sie vor der Operation absetzen sollten.
  • Fragen Sie, wie lange Sie/Ihr Kind vor der Operation nichts essen oder trinken dürfen. Das ist wichtig wegen der Narkose.
  • Wir empfehlen, sich die Haare vor der Operation zu waschen, da die Wunde am Kopf mindestens eine Woche lang trocken gehalten werden muss. Die Alternative: Trockenshampoo.
  • Entfernen Sie Piercings, Make-up und Nagellack, sie sind im Operationssaal wegen der Infektionsgefahr nicht erlaubt. Erkundigen Sie sich im Krankenhaus, ob Deodorants und Körperlotionen erlaubt sind.

Wie lange dauert der Krankenhausaufenthalt?

Patienten bleiben in Deutschland und Österreich durchschnittlich 3-5 Tage im Krankenhaus. Die Länge des Spitalsaufenthaltes hängt von mehreren Faktoren ab, u.a. von Ihrem Gesundheitszustand und ob es zu Komplikationen kommt, die bei jeder Operation auftreten können.

Was benötige ich für meinen Krankenhausaufenthalt?

  • Liste der Medikamente, die Sie/Ihr Kind regelmäßig einnehmen
  • Jedes Medikament, das Sie/Ihr Kind am Tag der Operation einnehmen müssen
  • Stift und Papier zur Kommunikation mit dem Krankenhauspersonal (Sie hören erst, wenn Ihr Audioprozessor nach einigen Wochen aktiviert wurde)
  • Schuhe ohne Schnürsenkel oder Klettverschlüsse, in die Sie/Ihr Kind schlüpfen können. (Sie sollten sich einige Tage nach der Operation nicht bücken)
  • Hemd oder Bluse, damit Sie keine Kleidung über Ihren Kopf/den Ihres Kindes ziehen müssen (Sie werden einen Druckverband am Kopf/Ohr haben)

Fragen Sie Ihr CI-Team nach weiteren konkreten Tipps

Wann wird der Prozessor aktiviert?

Die Erstanpassung findet meist zwei bis sechs Wochen nach der Operation statt, abhängig von Ihrer Klinik und der Art des Implantats. Nun wird der Audioprozessor zum ersten Mal mit Ihrem Implantat verbunden. Der Audiologe spielt Töne ab, wartet auf Ihre Rückmeldung und stimmt Ihren Audioprozessor auf Ihre Hörbedürfnisse ab. Dieser Vorgang wird Erstanpassung oder Aktivierung genannt. Bei Babys und kleinen Kindern beobachtet der Audiologe deren Reaktion auf die eingespielten Töne. Das ist der erste Schritt zum Hören lernen.

Welche Komplikationen treten nach der Cochleaimplantation am häufigsten auf?

Glücklicherweise ist die Komplikationsrate nach Hörimplantationen sehr gering, da es sich um einen Routineeingriff handelt, der jedes Jahr tausende Male weltweit durchgeführt wird. Eine großangelegte britische Studie belegte 2012, dass das Risiko für schwere Komplikationen nur bei 1,6% liegt. [1].

Komplikationen sind, wenn überhaupt, meist vorübergehender Natur. Jeder Mensch hat ein individuell anderes Risiko, das Ihr Chirurg am besten beurteilen kann. Zu diesen Risiken zählen:

  • Blutungen und Wundinfektion – wie bei jeder Operation
  • Risiko einer Vollnarkose – wie bei jeder Operation, dieses Risiko ist jedoch sehr gering
  • Schwindel – Das Gleichgewichtsorgan liegt direkt neben der Cochlea
  • Gehirnhautentzündung – Das Ärzteteam sollte prüfen, ob Sie die entsprechenden Impfungen vor der Operation erhalten haben, um dieses Risiko möglichst gering zu halten. Eine Gehirnhautentzündung ist eine sehr schwere Erkrankung.
  • Verletzungen des Gesichtsnervs – Heute wird in den Operationssälen ein Gesichtsnerv-Monitoring eingesetzt, das dieses Risiko extrem reduziert hat. 2012 gab es in einer britischen Studie keinen Fall einer dauerhaften Lähmung des Gesichtsnervs.
  • Veränderungen beim Geschmackssinn – Der Nerv, der den Geschmackssinn kontrolliert, verläuft durch das Ohr, knapp am Gesichtsnerv vorbei. Diese Nebenwirkung ist vorübergehend und dauert nur wenige Tage oder Wochen.
  • Implantatausfall – Wenn ein Implantat ausfällt, wird ein neues eingesetzt.

Wie fühlt man sich nach der Implantation?

Es kann sein, dass Sie ein Krachen, Knacken oder ähnliche Geräusche in Ihrem Ohr hören. Vielleicht fühlt es sich „voll“ an oder unter Druck. Kauen kann unter Umständen unangenehm sein. Das ist normal, aber wenn Sie beunruhigt sind, sprechen Sie mit Ihrem Arzt.

Weisen Sie Ihre Familie und Freunde darauf hin, dass Sie nicht sofort nach der Operation hören können. Die Erstanpassung ist nur ein Schritt zum Hören, es bedarf noch einiger Übung.

Mit welchen Einschränkungen muss ich/mein Kind nach der Operation rechnen?

Obwohl Sie die meisten Alltagsaktivitäten schon kurz nach der Operation wieder aufnehmen können, sollten Sie folgende Vorsichtsmaßnahmen beachten:

  • Intensive sportliche Betätigung, Kontaktsportarten, Turnstunden und schweres Heben sollten in den ersten sechs Wochen vermieden werden – Ihr Arzt berät Sie genauer.
  • Beugen Sie sich nach Möglichkeit nicht nach vorne. Gehen Sie stattdessen in die Knie, um etwas aufzuheben.
  • Waschen Sie Ihr Haar nicht, bis die Nähte entfernt wurden.
  • Halten Sie den Wundbereich mindestens eine Woche lang trocken. Ihr Arzt stellt Ihnen/Ihrem Kind eine Krankschreibung aus. Wann Sie wieder arbeiten gehen können, hängt von der Art Ihrer Tätigkeit ab und ob diese körperlich anstrengend ist.
  • Setzen Sie sich nicht ans Steuer, wenn Sie sich schwindlig fühlen oder Medikamente einnehmen, die müde machen. Dazu zählen auch bestimmte Schmerzmittel. Ansonsten ist Autofahren kein Problem.
  • Schnäuzen Sie sich in den ersten 10 Tagen nach der Operation nicht heftig. Nach 10 Tagen schnäuzen Sie sich vorsichtig, indem Sie ein Nasenloch zuhalten und den Mund öffnen.
  • Fragen Sie Ihren Arzt, wann Sie wieder fliegen dürfen.

Welche Vorkehrungen sollte ich zuhause treffen?

  • Weiche Lebensmittel – Kauen kann nach der Operation unangenehm sein, deshalb empfehlen wir vorübergehend Suppen, Joghurt, Breie oder Proteinshakes.
  • Extra Kissen – Wenn der Kopf beim Liegen etwas erhöht ist, kann die Schwellung schneller abklingen.
  • Betreuung zuhause – Wenn Sie alleinstehend sind, organisieren Sie sich für die ersten Tage nach der Operation Betreuung für zuhause. Sie könnten sich von den Schmerzmitteln müde oder schwindlig fühlen.
  • Wenn Sie Fragen zur Zeit nach der Operation haben, wenden Sie sich an Ihr CI-Team.

Ein HörPate kann Ihnen hilfreiche Tipps aus erster Hand geben, wie Sie sich am besten auf die Operation vorbereiten.

Wie lange dauert die Operation?

Das hängt von der Art Ihres Implantats ab. Knochenleitungs- und Mittelohrimplantationen dauern rund eine Stunde, während Cochleaimplantationen zwischen einer und drei Stunden in Anspruch nehmen.

Anpassung nach der Operation

Mit der Zeit klingt alles leiser oder anders als bei der Erstanpassung. Daher müssen Sie Ihren Audioprozessor regelmäßig anpassen lassen. Diese Feinabstimmung ist notwendig, da Sie durch Rehabilitation und Übung immer besser mit dem Implantat hören. Anpasstermine finden gewöhnlich nach einem, drei, sechs und zwölf Monaten statt, in weiterer Folge ein Mal pro Jahr. Wenn Sie einen Audioprozessor mit Datalogging verwenden, sieht Ihr Audiologe, wie Sie Ihr Gerät nutzen, und kann die Einstellungen und auch die Rehabilitation darauf abstimmen.

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