Hörgeräte Test

Hörgeräte

Hörgeräte sind die ideale Lösung für viele Schwerhörige und werden normalerweise getestet, bevor eine endgültige Entscheidung für ein Implantat fällt. 18% aller Deutschen haben eine Hörminderung, also rund 15 Millionen Menschen, doch weniger als die Hälfte der Betroffenen trägt ein Hörgerät.

So funktionieren Hörgeräte

Vereinfacht dargestellt verstärkt ein Hörgerät den Schall. Die meisten Hörgeräte, auch Kassengeräte, sind heutzutage digital.

Ein Hörgerät funktioniert mit einem eingebauten Mikrofon, das das Schallsignal auffängt und es mit einem Mikrocomputer in ein elektrisches Signal verarbeitet. Dieses Signal wird lauter gemacht und wieder in das ursprüngliche Schallsignal umgewandelt, das anschließend ins Ohr geleitet wird. Ein Hörgerät kann auf Ihren Hörverlust individuell angepasst werden. Immer öfter stellen sich digitale Geräte automatisch auf wechselnde Hörsituationen ein, etwa eine laute oder leise Umgebung, so dass Sie Einstellungen nicht mehr manuell verändern müssen.

Wann braucht man Hörgeräte?

Hörgeräte eignen sich für Personen mit leichter bis mittlerer Schwerhörigkeit. Man kann Hörgeräte auch bei schwerem bis hochgradigem Hörverlust verwenden, allerdings benötigt man wahrscheinlich zusätzliche technische Hilfsmittel, z.B. zum Telefonieren, muss Lippen lesen und/oder Gebärdensprache verwenden.

Welche Hörgeräte gibt es?

Es gibt verschieden Arten von Hörgeräten, sowohl bei leichter Hörminderung als auch bei schwerem Hörverlust. Sie arbeiten heutzutage alle digital. Viele Geräte sind dabei so gut wie „unsichtbar“. Die meisten Hörgeräte funktionieren mittels Luftleitung, bei der der Schall über den Gehörgang und das Mittelohr ins Innenohr gelangt. Wenn Sie aus medizinischen Gründen ein konventionelles Hörgerät nicht tragen können oder keinen ausreichenden Nutzen daraus ziehen, helfen Ihnen unter Umständen andere Hörgeräte-Modelle oder Hörimplantate. Diese umgehen den Gehörgang und leiten Schallschwingungen direkt an Ihr Innenohr. Ihr Hörgeräteakustiker berät Sie dazu gerne und kann ihnen die unterschiedlichen Hörsysteme vor Ort erklären.

Digitale Hörgeräte

Der Überbegriff weist darauf hin, wie die Hörgeräte getragen werden.

  • Hinter-dem-Ohr (HdO) Hörgeräte
    Digitale HdO Hörgeräte, die auch von den Krankenkassen übernommen werden, werden hinter dem Ohr getragen. Ein dünnes Plastikröhrchen verbindet das Hörgerät mit einem Ohrpassstück oder einem weichen Ohrstück am Ende des Röhrchens („offene Versorgung“). Ein HdO Gerät eignet sich für eine leichte bis mittlere Hörminderung.
  • Ex-Hörer-Modelle, auch RIC Modelle genannt
    Diese digitalen Hörgeräte ähneln HdO Geräten mit offener Versorgung, eignen sich jedoch auch für Personen mit schwerem Hörverlust. Der Lautsprecher liegt direkt im Gehörgang, die Elektronik befindet sich im Gehäuse hinter dem Ohr. Ein dünner Draht verbindet die beiden.

  • Im Ohr Modelle (IdO)
    IdO Geräte füllen die Ohrmuschel vollständig aus. Sie können für alle Grade von Schwerhörigkeit verwendet werden.
  • Im Gehörgang (ITC)
    ITC Hörgeräte sind etwas kleiner und diskreter und eignen sich für leichten bis mittleren Hörverlust.
  • Komplett im Gehörgang (CIC)
    CIC Hörgeräte sind der kleinste Typ von Hörgeräten und fast unsichtbar. Allerdings sind sie deshalb auch schwer zu handhaben und nur für leichten bis mittleren Hörverlust geeignet. Personen mit einem sehr engen Gehörgang können diese Art von Hörgerät mitunter nicht verwenden.

CROS Hörgeräte

CROS bedeutet „Kontralaterale Signalweiterleitung“ und wurde für einseitig ertaubte Personen entwickelt. Das Hörgerät fängt Schall von der Seite mit der Hörminderung auf und leitet ihn an das hörende Ohr weiter.

BiCROS Hörgeräte

Ähnlich wie CROS-Geräte sind BiCROS für einseitig ertaubte Patienten gedacht, die auf der anderen Seite noch über ein Restgehör verfügen. BiCROS-Geräte verstärken den Schall von beiden Seiten und leiten ihn an das hörende Ohr weiter.

Knochenleitungshörgeräte

Knochenleitungshörgeräte sind für Personen gedacht, die mit dem Hören Probleme haben, aber aufgrund von Hautirritationen oder Verformungen des Gehörgangs keine konventionellen Hörgeräte tragen können.

Sie sind auch eine Alternative für Menschen mit Schallleitungsschwerhörigkeit, bei der der Schall nicht durch das Außen- und Mittelohr gelangen kann. Normalerweise werden zuvor konventionelle Hörgeräte getestet.

Knochenleitungshörgeräte umgehen das Außen- und Mittelohr und leiten Schallschwingungen direkt über den Schädelknochen ins Innenohr. Man trägt ein Stirnband oder speziell verstärkte Brillen, mit denen ein winziger Schwingkörper am Kopf fixiert wird. Die Träger spüren die Schwingungen nicht, aber damit das Gerät gut funktioniert, muss es sehr stark gegen den Kopf gedrückt werden, was bei längerem Tragen unangenehm werden kann. Oft verwenden Knochenleitungshörgeräte noch analoge Technologien.

Knochenverankerte Hörgeräte

Bei knochenverankerten Hörgeräten (BAHAs) wird in einer Operation ein kleines Titanimplantat im Kopf hinter ihrem Ohr eingepflanzt um das Hören wieder zu verstärken.

Eine Titanschraube wird durch die Haut ins Implantat geschraubt. Ein Sprachprozessor kann dann über eine Schnappkupplung an dieser Schraube befestigt werden.

Der Prozessor fängt Schallwellen auf und wandelt sie in Schwingungen um, die durch die implantierte Schraube an den Schädelknochen und weiter ans Innenohr geleitet werden. Die Haut rund um die Schraube muss täglich gründlich gereinigt werden, um Entzündungen zu vermeiden.

Wissenswertes über Hörgeräte

Kassengeräte sind meist größer und auffälliger als Hörgeräte, die privat zu bezahlen und oft sehr teuer sind. Wie jedes technische Gerät müssen Hörgeräte regelmäßig gewartet, gereinigt und die Batterien getauscht werden. Ihr Hör-Akustiker berät sie genau.

Vorteile von Hörgeräten

  • Besseres Verstehen in Einzelgesprächen und in Gruppen
  • Klarere Geräuschortung
  • Telefonieren wird einfacher
  • Besseres Verstehen bei Hintergrundlärm
  • Fernseher und Radio müssen nicht mehr so laut gestellt werden. Dadurch entstehen weniger Konflikte mit anderen Personen.
  • Geräusche, die Hörgeräte-Träger lange Zeit nicht hören konnten, wie Vogelgezwitscher, das Rauschen des Windes oder den Blinker im Auto, können sie dann wieder hören
Hörgerät im Ohr

Die wichtigsten Merkmale von Hörgeräten

„Welches ist das beste Hörgerät? Welches Hörgerät soll ich kaufen?“ Das ist die häufigste Frage von Betroffenen, die zum ersten Mal ein Hörgerät benötigen. Welches Hörgerät der Akustiker empfiehlt, ist von Ihrer Hörminderung abhängig. Das „richtige“ Hörgerät ist immer eine individuelle Entscheidung. Moderne, digitale Hörgeräte, bieten im Idealfall folgende Produktmerkmale:

  • Richtmikrofone
    Die meisten Hörgeräte verfügen über zwei Mikrofone, die Schall von vorne auffangen anstatt zum Beispiel von der Seite oder von hinten. Dadurch können Sie sich in lauter Umgebung besser auf das konzentrieren, was Sie wirklich hören wollen.
  • Rückkopplungs-Unterdrückung
    Sie reduziert das Pfeifen.
  • Automatische Lärmunterdrückung
    Sie reduziert statischen, gleichbleibenden Hintergrundlärm, zum Beispiel Verkehrslärm.
  • Verschiedene Hörprogramme
    Diese helfen Ihnen in unterschiedlichen Hörsituationen. Manche Hörgeräte passen sich automatisch an geänderte Bedingungen, wie laute oder leise Umgebung, an.
  • Direkter Audioeingang und Bluetooth
    Damit können Sie Ihr Hörgerät direkt an externe Quellen wie MP3-Player, Mobiltelefone oder FM-Anlagen anschließen und Musik hören. Das geschieht entweder mit einem Kabel (direkter Audioeingang) oder drahtlos, etwa mit Bluetooth.
  • Schleifensysteme
    Öffentliche Gebäude wie Kinos, Theater, Banken und Museen sind häufig mit einem Schleifensystem ausgestattet, das Hintergrundlärm reduziert. Um das Schleifensystem nutzen zu können, stellen Sie Ihr Hörgerät auf „Telespule“. Unter Umständen muss diese Funktion von Ihrem Audiologen aktiviert werden.

Nähere Informationen zu Hörgeräten erhalten Sie zum Beispiel bei der

Wo kann man ein Hörgerät kaufen?

Der Weg zum Hörgerät ist unkompliziert. Wenn Sie glauben, eine Hörminderung zu haben und schlecht zu hören, wenden Sie sich zuerst an Ihren Hausarzt oder niedergelassenen Hals-Nasen-Ohren-Arzt. Er stellt fest, ob Sie ein akutes Problem, z.B. eine Verstopfung durch Ohrenschmalz oder eine Ohrenentzündung haben, das eine vorübergehende Hörminderung bedingt, oder ob ein dauerhafter Hörverlust vorliegt. Dafür wird Ihr Gehör getestet. Das kann der niedergelassene HNO ebenso machen wie ein Hörakustiker oder ein Audiologe, ein Spezialist rund um das Thema Hörstörungen und Hörlösungen.

Sollten Sie ein Hörgerät brauchen, zahlt die Krankenkasse für bestimmte Modelle. Neuere, kleinere Hörgeräte müssen privat finanziert werden, da die Krankenkasse hier nicht zahlt.

Wenn Sie keinen Zuschuss von der Krankenkasse möchten, können Sie direkt zu einem Akustiker gehen und sich über das passende Hörgerät beraten lassen. Er sollte nötigenfalls eine Ohrenuntersuchung beim Hausarzt oder HNO-Arzt veranlassen.