Folgen von unbehandeltem Hörverlust

Folgen von unbehandeltem Hörverlust [1] Unbehandelter Hörverlust kann sich auf alle Aspekte des Lebens auswirken, von der Sprachentwicklung über Bildung und Karriere bis hin zum gesellschaftlichen Leben. Deshalb ist eine frühe Diagnose so wichtig – egal ob jung oder alt und unabhängig von der Hörlösung, für die Sie sich letztendlich entscheiden.

Sprachentwicklung

Kinder lernen zu sprechen, indem sie nachahmen, was sie hören. Ein Kind hört ein Wort, gibt es auf seine eigene Art wieder und korrigiert sich selbst, wenn es besser zuhören kann. So lernen Kinder mit der Zeit, Sprache richtig zu verwenden.

Wenn ein Kind jedoch nicht genau hört, wie ein Wort ausgesprochen oder verwendet wird, kann es dieses Wort nur schwer oder gar nicht richtig wiedergeben. Das verringert seine Kommunikationsfähigkeit mit der Familie, mit anderen Kindern und Betreuungspersonen.

Auswirkungen eines unbehandelten Hörverlusts auf Sprache und Sprachverständnis:

  • Der Wortschatz entwickelt sich bei Kindern mit Hörverlust langsamer als bei gleichaltrigen normalhörenden Kindern. Diese Schere geht mit dem Alter immer weiter auseinander, wenn der Hörverlust nicht behandelt wird.
  • Schwierigkeiten, Wörter mit Doppelbedeutung zu verstehen, etwa „Bank“, „Leiter“ oder „Strom“ sowie abstrakte Begriffe wie „vorher“ und „nachher“.
  • Schwierigkeiten, lange oder komplexe Sätze zu verstehen und zu schreiben.
  • Schwierigkeiten, Wortendungen zu hören führen zu Missverständnissen, Kommunikationsproblemen und schlechterer Grammatik.
  • Schwierigkeiten, leise Konsonanten wie s, sch, und f zu hören, beeinflussen die Aussprache.
  • Zu lautes Sprechen, eine falsche Tonhöhe, ein unpassendes Redetempo sowie eine ungenaue Aussprache sind weitere Folgen.

Schulische Erfolge

  • Wenn ein Kind nicht gut hört – und keine entsprechende Unterstützung erhält – hört es viele Unterrichtsinhalte nicht richtig. Das hat direkte Auswirkungen auf seine Mitarbeit und schulische Leistung.
  • Die Leseentwicklung verläuft bei gehörlosen Kindern nachgewiesenermaßen langsamer. [1] Da Lesen ein wesentlicher Baustein von Bildung ist, kann das eine Hürde für den schulischen Erfolg darstellen.
  • Studien belegen, dass die Erfolgsrate gehörloser Kinder bei der mittleren Reife um 43% niedriger liegt als für andere Kinder. 7 von 10 konnten die vorgegebenen Notenziele nicht erreichen, z.B. in den Gegenständen Englisch und Mathematik. [2]

Beruf

  • Personen mit schwerer bis hochgradiger Hörminderung sind vier Mal häufiger arbeitslos als der Rest der Bevölkerung. Das gilt auch für Zeiten allgemein niedriger Arbeitslosenraten. [3]
  • Die Beschäftigungsrate für Menschen mit Hörproblemen lag in einer britischen Studie bei 64% verglichen mit 77% ohne gesundheitliche Probleme. [4]
  • Schwerhörige Arbeitnehmer verdienen deutlich weniger als hörende Arbeitnehmer in vergleichbaren Positionen. [5]
  • Besprechungen, telefonieren, aber auch eine geringere Produktivität, weil das Hören so anstrengend ist, sind die konkreten Probleme im Arbeitsalltag.

Studien haben gezeigt, dass Menschen mit Hörbeeinträchtigung häufiger arbeitslos oder in schlechter bezahlten Berufen tätig sind als Menschen ohne Hörminderung.

Soziale Kontakte

Bei Kindern stellt ein nicht diagnostizierter Hörverlust eine Kommunikationsbarriere dar. Das bedeutet, dass es ihnen schwerer fallen kann, Freunde zu finden und an Aktivitäten in Gruppen teilzunehmen. Sie fühlen sich unter Umständen einsam und ausgegrenzt. Das wiederum kann die Entwicklung sozialer Kompetenzen verzögern und sich negativ auf das Selbstbewusstsein und Verhalten des Kindes auswirken. [6]

Auch Personen, die als Erwachsene schwerhörig werden, erleben oft frustrierende und für sie unangenehme Situationen, werden reizbar und vermeiden gesellschaftliche Aktivitäten. Das führt häufig zu Einsamkeit und Depression.http://www.hoerkomm.de/schwerhörigkeit_in_zahlen.html

Gesundheitliche Auswirkungen

In mehreren Studien wurde nachgewiesen, dass unbehandelter Hörverlust gesundheitliche Folgen haben kann.

Sturzgefahr

Schon wer nur einen leichten Hörverlust von 25 Dezibel hat, trägt im Alter ein drei Mal so hohes Risiko zu stürzen als Normalhörende. Je schlechter das Gehör ist, desto höher ist das Sturzrisiko.[8] Mögliche Gründe: Schwerhörige nehmen oft ihre Umgebung nicht so gut wahr und haben daher ein höheres Sturzrisiko. Personen mit Hörverlust benötigen mehr Gehirnleistung für das Hören. Gehen und das Halten des Gleichgewichts beanspruchen ebenfalls viel Gehirnleistung.

Allgemeiner Gesundheitszustand

Leben mit Hörverlust bedeutet häufig Stress, der das Immunsystem schwächen kann. Betroffene sind anfälliger für Erkältungen und andere Infekte. [9]

Psyche

Zahlreiche Studien kamen zu dem Schluss, dass unbehandelter Hörverlust bei Erwachsenen mit einem höheren Risiko einhergeht, an Depressionen zu erkranken. Ein Grund dafür ist, dass diese Personen einsamer leben.

Es gibt immer mehr Beweise, dass eine Beziehung zwischen Hörverlust und Demenzrisiko besteht. Ob die Behandlung des Hörverlusts dieses Risiko senkt, ist noch Gegenstand von wissenschaftlichen Untersuchungen.

Setzen Sie sich mit einem HörPaten in Verbindung,

der Sie auf Ihrem Weg zum Hören begleitet.

Referenzen:

[1]  Wauters L.N. et al. Reading Comprehension of Dutch Deaf Children, Reading and Writing 19(1), 2006: 49-76.

[2] NDCS, Educational Achievement, 2010

[3] RNID, Opportunity Blocked, 2007 http://www.actiononhearingloss.org.uk/supporting-you/policy-research-and-influencing/research/our-research-reports/research-reports-2007.aspx Accessed 23 June 2015

[4] Arrowsmith (2014) Hidden Disadvantage: Why people with hearing loss are still losing out at work. Action on Hearing Loss.

[5] The Real Cost of Adult Hearing Loss: reducing its impact by increasing access to the latest hearing technologies. Archbold S. et al, The Ear Foundation (2014).

[6] Bidadi S, Nejadkazem M, Naderpour M. The relationship between chronic otitis media-induced hearing loss and the acquisition of social skills. Otolaryngol. head neck surg. 2008 Nov;139(5):665-70

[7] Gopinath et al (2012) Hearing-impaired adults are at increased risk of experiencing emotional distress and social engagement restrictions five years later. Age Ageing (2012) doi: 10.1093/ageing/afs058 First published online: May 16, 2012

[8] Lin, F. and Ferrucci, L., Hearing Loss and Falls Among Older Adults in the United States, Archives of Internal Medicine (2012; Feb 27) 172(4): 369-371

[9] Marsland AL et al. Stress, Immune reactivity and susceptibility to infectious diseases. Physiol Behav 77(4-5)711-715, 2002