Alter und Grad des Hörverlusts

Studien haben gezeigt, dass die Entscheidung eindeutiger ausfällt, wenn ein Kind schon bei seiner Geburt als gehörlos diagnostiziert wird.[1] Kinder, die als Baby bereits mit einem Cochleaimplantat versorgt werden, können das Hören und Sprechen fast gleich gut und ebenso natürlich lernen wie hörende Kinder. Untersuchungen belegen, dass eine Implantation vor dem vollendeten zweiten Lebensjahr die Chancen auf einen Regelschulbesuch erhöht. Früh implantierten Kindern stehen auf ihrem Bildungsweg und ihrer Berufslaufbahn mehr Möglichkeiten offen.[2]

Sie entwickeln auch noch keine großen Ängste vor der Operation, wie dies bei älteren Kindern der Fall sein könnte.

Wenn Ihr Kind erst mit einigen Jahren eine Hörstörung entwickelt oder noch Restgehör vorhanden ist, fällt Ihnen die Entscheidung für eine Hörimplantation wahrscheinlich schwerer. Das gleiche gilt für Kinder, die bereits in der Gehörlosenkultur integriert sind, Lippen lesen und die Gebärdensprache verwenden.

Es gibt wenige Studien über Teenager mit Cochleaimplantaten, aber eine Untersuchung der Ear Foundation aus Großbritannien ergab, dass Teenager eine positive Einstellung zu ihrem Implantat haben.[3]

  • Von 29 befragten Teenagern gaben 27 an, ihr Implantat jeden Tag ganztägig zu tragen.
  • Sie fühlten sich beiden Welten zugehörig, der gehörlosen als auch der hörenden Kultur.
  • Keiner der Teenager, der in jungen Jahren mit einem Implantat versorgt wurde, kritisierte seine Eltern für diese Entscheidung bzw. dafür, die Entscheidung ohne ihre Zustimmung getroffen zu haben. Im Gegenteil, sie alle waren ihren Eltern für ihre Wahl dankbar.

Der richtige Zeitpunkt

Die Entscheidung für ein Hörimplantat muss gut überlegt sein. Zahlreiche Studien belegen jedoch, dass die Ergebnisse mit Implantat besser sind, je kürzer der Hörverlust dauert. Mit anderen Worten – nehmen Sie sich Zeit, um zu recherchieren und die verschiedenen Möglichkeiten abzuwägen, aber lassen Sie sich nicht zu lange Zeit für die Entscheidungsfindung.

Babies und Kinder

In den ersten Lebensjahren ist unser Gehirn so anpassungsfähig wie später nie wieder und am besten dazu ausgelegt, Sprache zu erlernen. Studien haben ergeben, dass das erste Lebensjahr der ideale Zeitpunkt für eine Implantation ist. Und tatsächlich ist bewiesen, dass die meisten Kinder, die schon früh mit Cochlea-Implantaten versorgt wurden, in ihrer Hör- und Sprachentwicklung kaum Unterschiede zu normalhörenden Kindern aufweisen.[4]Nicht nur das Gehirn ist extrem lernfähig, auch die Sprech- und Sprachentwicklung erfolgen in dieser Zeit natürlich.

Jedesmal, wenn ein Baby ein Geräusch hört, werden die Hörbahnen im Gehirn aktiviert. Wird diese Gehirnregion jedoch mehrere Jahre lang nicht stimuliert, übernimmt sie andere Funktionen. Das bedeutet nicht, dass ein später implantiertes Kind trotz Cochleaimplantat nicht mehr hören und sprechen lernen kann, doch die Erfolge sind wahrscheinlich geringer.

Erwachsene

Die gute Nachricht vorweg: es gibt für Hörimplantate keine Altersobergrenze.Obwohl jüngere Erwachsene nach der Implantation ein besseres Sprachverständnis erzielen [5], berichten auch ältere Menschen durchwegs von ähnlich hohen Verbesserungen in der Lebensqualität.[6].

Studien haben jedoch gezeigt, dass die Dauer der Taubheit ein wichtiger Erfolgsfaktor bei älteren Menschen ist. Je länger eine Person schwer oder hochgradig hörbeeinträchtigt ist, desto länger braucht sie nach der Implantation, um Sprache wieder gut zu verstehen. Wenn Sie also über eine Implantation nachdenken, sollten Sie sich nicht zu lange Zeit lassen, damit Sie nachher wieder eine hohe Lebensqualität genießen können. Die Verwendung von Hörgeräten hilft Ihrem Gehirn, seine Hörbahnen aktiv zu halten.

Zahlreiche unabhängige Untersuchungen belegen, dass Hörimplantate älteren Menschen helfen, Sprache wieder besser zu verstehen und besser kommunizieren zu können. Das bringt ihnen außerdem mehr Lebensqualität und Selbstbewusstsein.[7].

Reference:

[1] Hyde, M. et al, 2010. Coming to a Decision About Cochlear Implantation: Parents Making Choices for their Deaf Children Journal of Deaf Studies and Deaf Education  15 (2): 162-178. doi: 10.1093/deafed/enq004

[2] Stacey PC, Fortnum HM, Barton GR, Summerfield AQ. 2006. Hearing-impaired children in the United Kingdom, I: Auditory performance, communication skills, educational achievements, quality of life, and cochlear implantation. Ear Hear 27(2):161-86.

[3] Cochlear implants: young people’s views (2007) the National Deaf Children’s Association http://www.ndcs.org.uk/

[4] Geers AE, Nicholas JG Enduring Advantages of Early Cochlear Implantation for Spoken Language Development; J Speech Lang hear Res 2013 Apr;56(2):643-55.

[5] Roberts, DS; Lin, HW; Herrmann, BS; Lee, DJ Differential cochlear implant outcomes in older adults (2013) Laryngoscope, 123(8), 2013 Aug, p. 1952-1956

[6] Sanchez-Cuadrado, I., et al; (2013). Is there an age limit for cochlear implantation? Annals of Otology, Rhinology & Laryngology, 122(4):222-228

[7] Lachowska et al. Outcomes of CI Users Implanted over 60 Years Old. Audiology & Neurotology 2011;17:17-18